Ideen haben sie genug.

Ehem. kath. KircheEhem. kath. Kirche

Und einige haben die Mitglieder des Brau- und Kulturvereins Hochhausen schon umgesetzt. Seit Oktober 2015 gibt es den kleinen Verein in dem Haßmersheimer Ortsteil. Thorsten Ringwald ist Vorsitzender und einer der Mitbegründer des Vereins.
Auf die Idee, einen solchen Verein zu gründen und Kultur nach Hochhausen zu holen, kamen Ringwald und seine Freunde beim „Theater am Kamin“ auf dem Dilsberg. Ein Privatmann räumt dort regelmäßig sein Wohnzimmer aus und der Kleinkunst großzügig Raum ein. „Das fanden wir so toll, dass wir das auch machen wollten“, berichtet Ringwald. Schnell hatten die Mitglieder erste Ideen. Und auch ein passender Veranstaltungsort war schnell gefunden: die ehemalige katholische Kirche in Hochhausen. Die ist im Besitz der Familie von Helmstatt und schon seit 15 Jahren keine Kirche mehr.
Schnell zeigte sich allerdings, dass für den Traum-Veranstaltungsort einige Hürden überwunden werden müssen. Ein fehlender Notausgang, fehlende Toiletten und Parkplätze und zuletzt das baden-württembergische Bestattungsgesetz verhinderten bisher die Nutzung der Kirche.

Thorsten Ringwald

Kulturveranstaltungen organisierten die Mitglieder des Vereins aber trotzdem: Irish Folk, Kabarett mit Walter Renneisen, Jazz-Frühstück, Musik mit Sabine Stieger oder zuletzt „Miss Amüsgöll“ – um nur wenige zu nennen. Thorsten Ringwald: „Unser Anspruch ist es, Kultur mit Niveau anzubieten.“ Da habe man als kleiner Verein aus einem kleinen Dorf schon manchmal Hemmungen, solche „Kaliber“ wie Arnim Töpel (der am 25. März zum Brau- und Kulturverein kommt) anzufragen. „Aber die Reaktionen sind immer sehr positiv. Es gibt wirklich viele Leute, die uns da unterstützen“, so Ringwald.


Auch in dem Vorhaben, der kleinen Kirche eine Zukunft zu geben. Von allen Seiten habe man zu Beginn politischen Zuspruch erhalten. Doch ohne die Hilfe und Unterstützung von Freunden und Bekannten wäre schon nach zwei Wochen wieder Schluss gewesen mit der Initiative. „Es gab und gibt eine große Unterstützung im Dorf“, so Ringwald. Nachdem die Kirche als Veranstaltungsort erst einmal ausfiel, suchte sich der Verein übergangsweise andere Domizile.
Die befreundeten Mitglieder treibt indes kein finanzielles Interesse. „Unser Ansporn ist auch das Lob von den Besuchern“, sagt Ringwald. Im laufenden Jahr will man auch dem „Brau-“ im Vereinsnamen etwas gerechter werden. Der Name ist entstanden, weil die befreundeten Mitglieder sich auch schon mal als Hobbybrauer versuchen. „Das ist ja auch eine Form von Kulturgut“, ist Ringwald überzeugt. So soll es dieses Jahr ein Brau-Seminar geben (natürlich nicht im Kirchlein) und eventuell soll in einer größeren Brauerei ein nach eigenem Rezept gebrautes Bier bestellt werden, das dann auch bei Veranstaltungen ausgeschenkt werden darf.
Und während die Männer organisieren und planen, kümmern sich die Frauen um die Verpflegung der Gäste. Denn im Eintrittspreis inbegriffen ist ein kleiner Imbiss – der immer zum Thema der Veranstaltung passt. Hierarchien sind im Brau- und Kulturverein eher unwichtig. „Der Verein ist nur der Rahmen. Wir wollten Kultur machen und fertig!“
Kultur „machen“ sie auch am 25. März (2017) wieder, dieses Mal in der Sport- und Festhalle in Haßmersheim. „Eine Ausnahme“, wie Ringwald betont. Denn eigentlich soll alles „klein bleiben“ und er und seine Mitstreiter hoffen nun auf die Erlaubnis aus dem Landratsamt. Axel Krahl, Geschäftsbereichsleiter Umwelt und Bauen, beim Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreise, sendet positive Signale: „Man muss es unterstützen, wenn in so einer kleinen Gemeinde kulturelle Dinge angeschoben werden. Wir haben nun eine sinnvolle Lösung gefunden.“ Bis Ende April, so Krahls Einschätzung, sollte alles in „trockenen Tüchern sein“ und die kleine Kirche kann (endlich) aus dem Dornröschenschlaf wach geküsst werden.... - Rhein-Neckar-Zeitung, 12.März 2017